Amplitud VivaLebendige Weite

Die Veränderung IST die Wirklichkeit.

Was fest erscheint, bleibt nicht unverändert. Jede Form besteht unter Bedingungen, wandelt sich und vergeht. Dennoch gilt häufig gerade das Beständige, Greifbare und Messbare als das eigentlich Wirkliche. Veränderung erscheint dann wie etwas, das den Dingen nachträglich widerfährt.

Doch gibt es überhaupt ein Ding, das zunächst ganz für sich besteht und erst danach in den Wandel eintritt?

Nicht fertige Dinge geraten in Veränderung. Im fortwährenden Wandel treten Formen hervor, bestehen eine Zeit lang und lösen sich wieder auf.

Auch der Mensch ist darin kein abgeschlossener Gegenstand. Körper, Empfindungen, Gedanken und Selbstbilder verändern sich. Das eigene Sein auf eine dieser Gestalten festzulegen hieße, einen Augenblick zum endgültigen Maß zu machen.

Hier ist von einer Erfahrung die Rede, nicht allein von einem philosophischen Gedanken: Wandel und das, was ihn ermöglicht, sind nicht voneinander getrennt. Der Grund des Daseins liegt nicht hinter den Erscheinungen. Er ist ihnen innewohnend und erschöpft sich doch in keiner von ihnen.

„Vorausgehend“ bedeutet deshalb kein Früher in der Zeit. Gemeint ist das stets Gegenwärtige, ohne das weder Erscheinen noch Verschwinden, weder Sein noch Nichtsein möglich wäre.

Darin liegt für mich die Bedeutung des Göttlichen. Kein Wesen neben anderen Wesen, keine Macht außerhalb des Daseins. Gemeint ist jene Wirklichkeit, von der nichts getrennt sein kann.

Schon als Jugendlicher sagte ich in einem Gespräch: „Ob es Gott gibt oder nicht, ist doch das Gleiche.“ Damit war nicht gemeint, dass diese Frage bedeutungslos sei. Gemeint war: Weder die Bejahung noch die Verneinung Gottes reicht über diese Wirklichkeit hinaus. Beide sind bereits in ihr möglich.

An dieser Wirklichkeit entscheidet sich nicht, ob ein Begriff bestehen bleibt. Vielmehr verliert jeder Begriff seinen Anspruch, sie vollständig zu umfassen – auch der Begriff „Gott“.

Das ist es, was ich mit dem wahrhaft Göttlichen meine.

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Josan