Amplitud VivaLebendige Weite

Was ist wirklich?

Frage: Du sprichst von unserer zugrunde liegenden Natur. Was meinst du damit?

Josan: Wir erleben die Welt, denken und fühlen. Wir wissen vieles über uns – und können dennoch fragen: Bin ich wirklich das, was ich von mir kenne?

Mit unserer zugrunde liegenden Natur meine ich das, was wir bereits sind, bevor wir uns durch unsere Geschichte, unsere Eigenschaften, Erfahrungen und Vorstellungen über uns selbst beschreiben.

All das gehört zu unserem menschlichen Leben und prägt unsere persönliche Identität. Aber beantwortet es bereits die Frage, was wir sind – oder noch unmittelbarer: Wer bin ich eigentlich?

Frage: Aber woran kann ich erkennen, ob das, was ich über mich denke, wirklich stimmt?

Josan: Zunächst möchte ich betonen, dass eine solche, ihrem Wesen nach sehr tiefe Frage nicht oberflächlich behandelt werden sollte – nicht von dir und auch nicht von mir. Sie berührt ein uraltes Problem und verlangt nach einer Unterscheidung, die letztlich nur in tiefer eigener Erfahrung wirklich bewusst werden kann. Mit der Art des Hinterfragens, wie wir sie in diesem Gespräch betreiben, können wir uns ihr annähern, aber wir können sie nicht einfach gedanklich lösen.

Ein wenig möchte ich dir dennoch mitgeben.

Schon im gewöhnlichen Erleben kannst du unterscheiden zwischen dem, was du über dich denkst, und dem, was du bereits bist. Jemand kann sagen: „Ich habe gute Laune.“ Ein anderer sagt: „Ich bin ein grundsätzlich gut gelaunter Mensch.“ Das ist nicht dasselbe. Das eine beschreibt einen vorübergehenden Zustand, das andere etwas, das ein Mensch als eine bereits zu ihm gehörende Eigenschaft erlebt.

Was du über dich denkst, kann vieles richtig beschreiben: deine Geschichte, deinen Charakter, deine Erfahrungen oder die Art, wie du dich in der Welt erlebst. Aber all das beantwortet noch nicht die Frage, was du bist.

Dieser Frage kann man nicht allein durch Gedankenkraft auf den Grund gehen. Sie verlangt eine andere Tiefe – ein unmittelbares Ergründen des eigenen Seins.

Wenn du sagst: meine Gedanken, meine Gefühle, meine Erfahrungen – dann kannst du fragen: Wer oder was ist dieses „mein“? Aber auch diese Frage sollte nicht nur im Kopf weitergedacht werden.

Versuche für einen Moment nicht, eine Antwort zu finden.

Sei still, tief, weit.

Die Antwort muss nicht als Gedanke erscheinen, sie muss nicht hörbar im Kopf sein und nicht einmal als Gefühl auftreten. Es muss überhaupt keine Antwort geben.

Auf diese Weise kannst du selbst ergründen, ob das, was du bisher für dich selbst gehalten hast, tatsächlich das Ganze sein kann.

Frage: Was verändert sich dadurch?

Josan: Äußerlich muss sich zunächst gar nichts verändern. Gedanken und Gefühle sind weiterhin da. Aber sie müssen nicht mehr darüber entscheiden, was wir für uns selbst halten.

Darin kann eine Freiheit entstehen, eine Weite, in der auch das Persönliche seinen Platz behält, ohne alles bestimmen zu müssen.

Frage: Müssen Gedanken dafür verschwinden?

Josan: Nein. Das Denken ist kein Hindernis an sich. Eng wird es dort, wo wir seine Inhalte mit uns selbst verwechseln. Auch Gedanken und Gefühle können frei erlebt werden.

Frage: Du sprichst von Frieden. Ist das nicht einfach ein Gefühl, das wieder vergeht?

Josan: Ein friedliches Gefühl kommt und geht. Der Frieden, von dem ich spreche, hängt nicht davon ab, wie sich der Augenblick gerade anfühlt.

Frage: Und wie ist das mitten in einem Konflikt – auch bei dir?

Josan: Manchmal ist es anstrengend, wie bei jedem anderen Menschen auch. Aber wenn du wissen willst, was diese Freiheit bedeutet, hilft dir ein Vergleich mit mir nicht weiter. Das kannst du nur in deinem eigenen Erleben ergründen.

Frage: Wie beginnt diese Suche?

Josan: Wie eben jetzt. Du bist mittendrin.

Frage: Und woran erkenne ich, dass dieses Selbst nicht wieder nur eine Vorstellung ist, die aus meinen Erfahrungen stammt?

Josan: Jetzt sind wir beim eigentlichen Anliegen.

Denn auch das Wort „Selbst“ kann wieder zu einer Vorstellung werden, wenn wir glauben, mit dem Begriff bereits verstanden zu haben, worauf er verweist.

Wie tief jemand dieser Frage nachgeht, liegt bei ihm selbst. Mehr möchte ich in diesem Moment dazu nicht sagen.

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Josan