Wir leben an der Grenze zwischen dem, was wir denken, und dem, was wir sind.
Zwischen dem gedachten Geist – und dem Raum.
In dem alles geschieht und erscheint.
Das Bewusstsein ist im Kopf gesammelt, dort gleichsam verdichtet. Das ist der gewöhnliche Zustand des Menschen.
So folgt es ganz selbstverständlich dem gedachten Geist. Und der gedachte Geist erschafft eine persönliche Identität: ein erfundenes Leben, einen erfundenen Tod.
Es gibt eine andere Möglichkeit.
Das Bewusstsein braucht diese Personalisierung nicht. In seiner Natur, in seinem Wesen, ist es frei von Begriff, Bild und Zeit. Es ist die Freiheit selbst.
Das Bewusstsein kann sich seiner eigenen Natur bewusst werden – seines Wesens, seiner selbst.
Da diese Natur formlos ist, kann sie die Begrenzungen des Verstandes durchdringen und sich wieder vollkommen ihrer selbst bewusst werden.
Doch warum kann man sagen, dass sie formlos ist?
Genau hier setzt die lebendige Erfahrung an. Es muss erlebt werden.
Als diese Formlosigkeit durchdringt das Bewusstsein jede Erscheinung und erlebt sich selbst als frei von allen Erscheinungen – nicht weil die Erscheinungen verschwinden, sondern weil sie seine Freiheit nicht berühren.
Freies Bewusstsein.
Nicht frei von Gedanken.
Nicht frei, weil keine Gedanken mehr da sind.
Sondern in seiner Natur frei – ob Gedanken erscheinen oder nicht.
Zum Verständnis
Freiheit des Bewusstseins bedeutet nicht: „Ich bin frei.“
Gemeint ist, dass das Bewusstsein nicht an das Ich gebunden ist, das im Denken entsteht. Auch dieses Ich – mit seinen Wünschen, Absichten und Vorstellungen – erscheint im Bewusstsein. Es bestimmt nicht dessen Wesen.
Die Freiheit gehört deshalb nicht einer Person, die sie erreicht oder besitzt. Sie liegt in der Natur des Bewusstseins selbst.
Gedanken und Wünsche können weiterhin erscheinen. Das persönliche Leben muss nicht verschwinden. Doch das Bewusstsein erschöpft sich nicht in dem, was als „ich“ gedacht und erlebt wird.
Darin liegt der entscheidende Unterschied: nicht die Freiheit des Ichs, sondern die Freiheit des Bewusstseins vom Ich.